Die Bundesregierung plant einen deutlichen Rückschlag für die Cannabis-Versorgung in Deutschland. Im Rahmen des Medizinal-Cannabisgesetzes (MedCanG) sollen Telemedizin-Verschreibungen für Cannabisblüten verboten und der Online-Versand durch Apotheken untersagt werden. Stattdessen sollen Rezepte künftig ausschließlich vor Ort ausgestellt werden – und das alle vier Monate erneut. Der entsprechende Gesetzentwurf (Drucksache 21/3061) wurde gestern, am 14. Januar 2026, im Gesundheitsausschuss des Bundestags angehört.
Scharfe Kritik kommt vom Deutschen Hanfverband
Der Deutsche Hanfverband (DHV) reagierte in einer umfassenden Stellungnahme scharf auf dieses Vorhaben. „Ein Rückschritt in vordigitale Zeiten!“, heißt es dort. Denn viele Hausärzte fehle es nach wie vor an Know-how oder Bereitschaft, Cannabis zu verschreiben. Patienten müssten oft „Ärztehopping“ betreiben – mit dem Ergebnis, dass viele auf dem Schwarzmarkt landen. Gerade die Telemedizin-Plattformen hätten einen legalen Zugang für Tausende ermöglicht.
Der Verband warnt zudem vor wirtschaftlichen Folgen: Spezialisierte Online-Apotheken könnten ihre Geschäftsgrundlage verlieren, Arbeitsplätze gefährdet sein. Für Patienten bedeute das höhere Preise und Belastungen – insbesondere im ländlichen Raum oder bei Mobilitätseingeschränkten. „Zwei Apothekenbesuche pro Rezept: umweltschädlich und teuer“, kritisiert der DHV. Gleichzeitig blühe der Schwarzmarkt auf: 2025 wurden über 100 Tonnen Cannabis legal verschrieben – 2026 könnten es 200 Tonnen sein, die nun umgelenkt werden.
Die lokale Perspektive: Engpässe in Heidenheim
Um zu verstehen, wie sich diese Pläne vor Ort auswirken, haben wir 19 Apotheken im Landkreis Heidenheim befragt. Vier Apotheken (21 Prozent) antworteten – und zeichnen bereits jetzt ein Bild prekärer Versorgung.
- Führt Ihre Apotheke Medizinalcannabis? (Regelmäßig / Auf Nachfrage / Nein)
- Wie viele Sorten sind verfügbar? (1–3 / 4–10 / Mehr als 10)
- Können Sie Patienten nach dem Versandverbot lokal versorgen? (Engpässe erwartet / Gut / Schwierig / Keine Einschätzung)
- Welche Anmerkungen haben Sie zu Engpässen? (Freitext)
- Möchten Sie als cannabisführende Apotheke gelistet werden? (Ja/Nein)
Die Ergebnisse sind eindeutig:
„Wir haben 19 Apotheken im Landkreis Heidenheim befragt – leider antworteten nur vier (21 Prozent). Dennoch zeichnen sie ein klares Bild der Versorgungsprobleme:
Von den vier Antwortenden führen zwei (entspricht 10,5 Prozent aller 19 befragten Apotheken) Cannabis regelmäßig, eine (5,3 Prozent) nur auf Nachfrage und eine (5,3 Prozent) gar nicht. Bei den Sorten bieten zwei Apotheken (10,5 Prozent der Gesamtstichprobe) mehr als zehn Sorten an, eine (5,3 Prozent) vier bis zehn Sorten. Alarmierend: Drei der vier antwortenden Apotheken (15,8 Prozent aller Befragten) melden Engpässe oder eine schwierige Versorgungslage. Und zwei Apotheken (10,5 Prozent) möchten öffentlich als cannabisführende Stellen gelistet werden.“

„Lieferengpässe bei fast allen Sorten; die Nachfrage lässt sich nicht abschätzen“, berichtet die Schloss-Apotheke Mittelrain in Heidenheim. Sie führt 4 bis 10 Sorten und möchte gelistet werden.
Ähnlich die Imperial Apotheke in Herbrechtingen: „Ein Versandverbot würde die Lagerung seltener Sorten zur Herausforderung machen.“ Auch sie führt mehr als 10 Sorten und stimmt dem Listing zu.
Eine anonyme Antwort fasst es pointiert zusammen: „Viele Anbieter und Sorten, aber unvorhersehbare Lieferzeiten – spezifische Kundenwünsche sind problematisch.“
Besonders aufschlussreich: Ein Apotheker rief uns sogar an. Er plant, bis zu 33 Sorten ins Sortiment aufzunehmen, und erwartet ebenfalls einen steigenden Bedarf.
Fazit: Ein Wachstumsschub für den Schwarzmarkt
Die Kombination aus geplanten MedCanG-Verschärfungen und heutigen Engpässen zeichnet ein düsteres Bild. Patienten verlieren legalen, bezahlbaren Zugang. Apotheken sind überfordert, Preise steigen. Der Schwarzmarkt erlebt einen massiven Wachstumsschub – genau das Gegenteil der Legalisierungsziele.
Die Frage aller Fragen: Wem nützt das? Kriminellen Netzwerken, die unkontrolliertes, verunreinigtes Cannabis vertreiben. Wem schadet es? Den Cannabispatient*innen in Not, den ländlichen Apotheken und letztlich der gesamten Gesundheitsversorgung in unserer Region.
Unsere Forderungen als Aktionsbündnis Hanfkultur Heidenheim: Wir setzen uns entschieden für die Versorgungssicherheit der Cannabispatient*innen im Kreis Heidenheim ein – insbesondere durch Beibehaltung der Telemedizin für Cannabis-Verschreibungen, die in unserer ländlichen Region unverzichtbar ist und kein Ärztehopping in überlasteten Praxen erzwingt. Ebenso fordern wir die Zulassung des Online-Versands durch Apotheken, damit Mobilitätseingeschränkte Patient*innen weiterhin versorgt werden können – unsere Umfrage belegt ja bereits die akuten Engpässe vor Ort.
Der DHV fordert zudem bessere Kassen-Erstattung und Spezialisierung statt Verbote. Unsere Umfrage unterstreicht: Die Probleme sind real – und werden größer.
Apotheken und Patient*innen: Teilen Sie Ihre Erfahrungen! Kontaktieren Sie uns: info@aktion-hanfkultur.de





