Warum die aktuelle Cannabis-Politik Heidenheim im Stich lässt

Wenn über Cannabis diskutiert wird, stehen meist Großstädte und bundespolitische Schlagzeilen im Mittelpunkt. Die Realität in Heidenheim zeigt jedoch, wie sehr Entscheidungen in Stuttgart und Berlin den Alltag der Menschen vor Ort prägen. Hier wird deutlich, was passiert, wenn legale Strukturen ausgebremst und gleichzeitig zusätzliche Hürden aufgebaut werden: Verantwortungsbewusste Konsumentinnen und Konsumenten werden in die Illegalität gedrängt.
Schon heute ist der Zugang zu legalem Cannabis in Heidenheim äußerst eingeschränkt. Nur wenige Ärztinnen und Ärzte verschreiben Cannabis, obwohl es als Medikament zugelassen ist, und Apotheken mit einem breiteren Sortiment sind die Ausnahme. Viele erwachsene Konsumentinnen und Konsumenten sind daher auf Online-Sprechstunden und Versandapotheken ausgewichen – für den Raum Heidenheim oft die einzige realistische legale Bezugsquelle.
Gleichzeitig kommt der lokale Cannabis Social Club Heidenhanf e.V. trotz großer Bemühungen nicht voran. Der Verein wartet seit fast eineinhalb Jahren auf seine Anbaugenehmigung, obwohl Cannabis Social Clubs in Baden-Württemberg als legale, nicht-kommerzielle Einrichtungen ausdrücklich vorgesehen sind. Offizielle Zahlen zeigen: Landesweit wurden bisher nur rund zehn bis zwölf Clubs genehmigt, während zahlreiche Anträge monatelang oder sogar jahrelang unbearbeitet bleiben.
Um auf diese Situation aufmerksam zu machen, hat das Aktionsbündnis Hanfkultur Heidenheim am 19. Oktober 2025 einen offenen Brief an die Heidenheimer Landtagsabgeordneten Andreas Stoch (SPD) und Clara Resch (Bündnis 90/Die Grünen) geschickt. Darin wird nicht nur die schleppende Genehmigungspraxis kritisiert, sondern ausdrücklich ein Gespräch angeboten – gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von Heidenhanf e.V., um über konkrete Lösungen für den Wahlkreis zu sprechen. Bislang blieb diese Gesprächseinladung unbeantwortet, was die Wahrnehmung verstärkt, dass die Probleme vor Ort politisch nicht mit der nötigen Dringlichkeit behandelt werden.
Parallel dazu wird auf Bundesebene das Medizinal-Cannabis-Gesetz überarbeitet, mit strengeren Regeln für Verschreibungen und Versand von medizinischem Cannabis. Was als Patientenschutz und Ordnungspolitik verkauft wird, trifft Regionen wie Heidenheim besonders hart: Wer vor Ort kaum verschreibende Ärztinnen und Ärzte findet und künftig nicht mehr auf telemedizinische Angebote und Versandapotheken ausweichen kann, verliert faktisch den Zugang zu legalem Cannabis.
Die Kombination dieser Entwicklungen ist brisant: Auf der einen Seite werden Anbauvereinigungen durch Bürokratie und Verzögerungen blockiert, auf der anderen Seite drohen legale medizinische Versorgungswege einzubrechen. Der Cannabiskonsum selbst bleibt laut Erhebungen über Jahre hinweg relativ stabil – Menschen hören nicht auf zu konsumieren, nur weil legale Wege versperrt werden. Wenn legale Strukturen fehlen, bleibt als Ausweichmöglichkeit der Schwarzmarkt, mit allen bekannten Risiken für Jugend- und Gesundheitsschutz.
Für Heidenheim bedeutet das: Menschen, die bewusst legale und kontrollierte Wege nutzen wollen, werden im Stich gelassen. Wer sich an Regeln halten möchte, findet keine funktionierenden Strukturen, während illegale Angebote weiterhin verfügbar sind. Eine verantwortungsvolle Drogenpolitik müsste genau das Gegenteil leisten: Sie müsste diejenigen stärken, die legale Wege suchen, und dafür sorgen, dass Anbauvereinigungen und medizinische Versorgung auch in der Fläche funktionieren.
Das Aktionsbündnis Hanfkultur Heidenheim erneuert daher seinen Appell an die Landtagsabgeordneten im Wahlkreis, das Gesprächsangebot anzunehmen und sich aktiv für beschleunigte, vereinfachte und einheitliche Genehmigungsverfahren für Cannabis Social Clubs einzusetzen. Nur wenn legale Strukturen vor Ort aufgebaut und erhalten werden, kann der Schwarzmarkt eingedämmt und ein glaubwürdiger Jugend- und Gesundheitsschutz umgesetzt werden.