
Markus Söder hat wieder mal eine Idee. Auf der Klausurtagung seiner CSU-Landesgruppe in Kloster Banz forderte er eine „Kiffer-Steuer“. Cannabis solle wie Alkohol und Tabak besteuert werden, sagte er. „Dass Kiffen kostenlos ist, ist absurd.“
Kurz innehalten. Es ist aufschlussreich, wer da im September 2026 von Besteuerung redet.
Bayern ist das Bundesland, in dem von elf genehmigten Anbauvereinen nicht einer eine behördlich zugelassene Anbaufläche hat. Null. Wer in Bayern sein eigenes Gras anbauen will, weicht ins Nachbarland aus, weil die eigenen Baubehörden es nicht hinkriegen — oder nicht wollen. Die bayerische Staatsregierung erklärt seit Jahren, die Teil-Legalisierung sei ein Fehler, man wolle sie zurückdrehen, man prüfe Klagen dagegen.
Und jetzt dieselbe Regierung: Steuern drauf.
Man kann nicht verbieten und gleichzeitig kassieren wollen
Das ist kein Widerspruch, den man erst mühsam erklären muss. Er steht offen im Raum. Wenn du etwas so sehr ablehnst, dass du es nicht mal legal anbauen lassen willst, wie kommst du dann auf die Idee, du könntest es besteuern?
Eine Besteuerung setzt ein legales Produkt voraus. Einen regulierten Markt, bezahlte Steuern, kontrollierte Ware. Genau das gibt es in Bayern nicht — und soll es laut CSU auch nicht geben. Die „Kiffer-Steuer“ ist also keine Steuer. Sie ist ein Symbol. Ein Zeichen in Richtung Stammtisch: Wir machen das Gras teuer, wenn ihr es schon nicht verboten kriegt.
Dabei wäre eine Steuer hier gar nicht der falsche Gedanke. Nur die Reihenfolge stimmt nicht.
Was Kiffer:innen wollen, ist eine faire Steuer
Der Eindruck, die Cannabis-Welt sei pauschal gegen Steuern, stimmt nicht. Der Deutsche Hanfverband (DHV) argumentiert seit Jahren genau umgekehrt: Er will einen legalen, verbraucherfreundlichen Markt — mit Fachgeschäften für Erwachsene, Qualitätssicherung und Aufklärung. Ein Markt, den man sachgerecht besteuern kann. Der DHV rechnet vor, was der Staat dabei gewänne: Milliardeneinnahmen, rund 20.000 Arbeitsplätze.
Das klingt nach einem Angebot, oder?
Wer legales Cannabis will, braucht Regeln und Beiträge. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, eine Steuer anzukündigen, während man gleichzeitig alles tut, damit nie ein regulärer Markt entsteht. Steuer ankündigen und Anbau blockieren ist, als würde man die Eintrittskarten für ein Stadion verkaufen, das man nie fertig baut.
Die Zaubersteuer gibt es sogar schon
Es gibt übrigens ein Lied dazu. Götz Widmann singt auf seinem Album „Drogen“ (2001) von der „Zaubersteuer“ — einer Steuer, die die Leute gerne zahlen, und die sie glücklich macht, je öfter sie zahlen. Natürlich überspitzt der Text. Aber der Unterschied ist der Punkt: Widmanns Zaubersteuer steht für etwas, das Menschen freiwillig akzeptieren, weil es ihnen etwas gibt. Söders Kiffer-Steuer steht für nichts — außer für den Vorsatz, eine Gruppe zu treffen, die ohnehin schon schlechter behandelt wird als alle anderen.
Und dann wäre da noch die Söder-Steuer
Die Satire schreibt hier fast von selbst. Wenn der Staat bei Kiffern zur Kasse bitten will, könnte das Aktionsbündnis Hanfkultur ja einfach kontern: die Söder-Steuer. Jede Lüge oder Doppelmoral von Markus Söder wird besteuert — der Erlös saniert das ganze Land.
Klingt absurd? Genauso absurd wie eine Kiffer-Steuer, deren Markt es nicht gibt.
Was wir daraus machen
Vielleicht wird es mal eine Verordnung geben, die Cannabis tatsächlich besteuert. Dann wird verhandelt — hoffentlich von Leuten, die vorher aufhören, den Anbau zu blockieren. Bis dahin ist Söders Vorstoß vor allem eins: kein Steuerplan, sondern ein weiteres Werkzeug, um die Legalisierung zu torpedieren. Und genau darum sollten wir ihn ernst nehmen — nicht als Finanzvorschlag, sondern als das, was er ist: die Verbotslinie, die sich als Sachvorschlag tarnt.