Legalisierung macht Jugendliche nicht süchtig – die Zahlen widerlegen die Panikmache

*Wenn eine liberalere Cannabispolitik den Jugendkonsum antreiben würde, müsste sich das in belastbaren Erhebungen zeigen. Doch zwei große US-Studien und die deutsche CanG-Evaluation dokumentieren keinen solchen Anstieg.*

USA: Zehn Jahre ohne Aufwärtstrend

Die Youth Risk Behavior Survey der US-Gesundheitsbehörde CDC erfasst das Verhalten von High-School-Schüler:innen. Ihr Zehnjahrestrend von 2013 bis 2023 zeigt: Der „current marijuana use“ ist rückläufig. Das ist keine Momentaufnahme nach einem einzelnen guten Jahr, sondern eine Entwicklung über ein Jahrzehnt. Die Daten passen nicht zur Behauptung, eine liberalere Cannabispolitik führe zwangsläufig zu immer mehr Konsum unter Jugendlichen.

Zweite Erhebung, gleiches Bild

Das NIH-Programm Monitoring the Future kommt 2025 unabhängig davon zu einem ähnlichen Ergebnis. Befragt wurden 23.726 Schüler:innen der Klassen 8, 10 und 12 an 270 Schulen. Cannabis in den vergangenen zwölf Monaten konsumierten acht, 16 beziehungsweise 26 Prozent. Die Werte blieben gegenüber dem Vorjahr stabil und liegen weiterhin auf dem historischen Tiefstand, der seit 2021 beobachtet wird.

Auch der Blick auf mehrere Substanzen ist aufschlussreich: In den vergangenen 30 Tagen waren 91 Prozent der Achtklässler:innen, 82 Prozent der Zehntklässler:innen und 66 Prozent der Zwölftklässler:innen vollständig abstinent von Cannabis, Alkohol und Nikotin. Leichte Anstiege bei Heroin und Kokain ordnete Studienleiter Richard Miech als „leagues below what they were decades ago“ ein.

Infografik

Niedrige Werte sind keine Entwarnung

Die US-Daten dürfen nicht beschönigt werden. Im CDC-YRBS zeigen sich teilweise Verschlechterungen bei psychischer Gesundheit und sozialen Medien; zudem konsumierte fast jede fünfte Schülerin. Niedrige oder sinkende Durchschnittswerte beseitigen also weder individuelle Risiken noch besonderen Unterstützungsbedarf. Sie widerlegen aber die pauschale Erzählung eines durch Liberalisierung ausgelösten Konsumbooms.

Deutschland: Kein Anstieg nach dem CanG

Der erste EKOCAN-Zwischenbericht vom Oktober 2025 stellt nach der Teillegalisierung zum 1. April 2024 keinen Anstieg des Jugendkonsums fest. Die Prävalenz unter Jugendlichen blieb stabil bis leicht rückläufig. Auch die BIÖG-Drogenaffinitätsstudie 2025 zeigt bei unter 18-Jährigen seit 2015 einen leichten Rückgang: Die Befürchtung, immer mehr Jugendliche würden kiffen, hat sich nicht bestätigt.

Der geschätzte deutsche Gesamtkonsum von 670 bis 823 Tonnen jährlich bildet eine bereits bestehende Realität ab, keinen durch das Gesetz erzeugten Boom. Der zweite EKOCAN-Zwischenbericht vom April 2026 bestätigt erneut: Der Jugendkonsum steigt nicht. Gleichzeitig gingen Cannabisdelikte um 60 bis 80 Prozent zurück.

Wo genauer hingesehen werden muss

Bei den 18- bis 25-Jährigen stieg der Konsum zwischen 2015 und 2025: bei Männern von 20,6 auf 31,6 Prozent, bei Frauen von 9,7 auf 18,8 Prozent. Der größte Zuwachs fand allerdings von 2015 bis 2021 statt; seither zeigt sich ein Plateau.

EKOCAN berichtet außerdem über zunehmenden schädlichen Gebrauch und Abhängigkeit in bestimmten Gruppen. Etwa jede:r zehnte jugendliche Konsumierende konsumiert täglich, während Präventionsangebote seltener angenommen werden. Genau dort müssen Gesundheits- und Jugendpolitik ansetzen: gezielt bei vulnerablen Gruppen statt mit unbelegten Behauptungen über eine ganze Generation. Anbauvereinigungen tragen bislang weniger als 0,1 Prozent zum Bedarf bei und sind für die Verdrängung des Schwarzmarkts praktisch noch bedeutungslos.

Fazit

Die Daten aus den USA und Deutschland beweisen nicht, dass Cannabis harmlos wäre. Sie zeigen etwas Präziseres: Der behauptete automatische Zusammenhang zwischen Legalisierung und wachsendem Jugendkonsum ist empirisch nicht zu erkennen. Wer Jugendschutz ernst nimmt, sollte deshalb problematischen Konsum, Abhängigkeit und fehlende Präventionsreichweite adressieren – nicht an einer Panikthese festhalten, die mehrere große Erhebungen nicht bestätigen.

Quellen

  • CDC Youth Risk Behavior Survey: https://www.cdc.gov/yrbs/dstr/index.html
  • NIH Monitoring the Future: https://monitoringthefuture.org/data/
  • BMG, zweite CanG-Evaluation: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/zweite-evaluation-zur-cannabis-teillegalisierung-01-04-26
  • BMG, EKOCAN-Zwischenbericht Oktober 2025: https://www.bundesgesundheitsministerium.de
  • Deutscher Hanfverband, Faktencheck: https://hanfverband.de/faktencheck/